Die CDs des Jahres 2013.

Ihr habt es wahrscheinlich schon bemerkt… ja, ich kaufe immer noch CDs! So richtige Alben halt, die man von vorne bis hinten durchhören und immer wieder Neues entdecken kann. Und der Jahrgang 2013 war dafür ein gutes Jahr – schon lange fiel mir die Wahl der besten CDs nicht mehr so schwer.

  1. Queens Of The Stone Age: …Like Clockwise
    Ich habs ja schon lange vermutet: Der coolste Typ der Rockmusik – Josh Homme – schreibt Pop-Songs. Gute Pop-Songs. Fantastische Pop-Songs. Bereits auf «Lullabies To Paralyse» anno 2005 konnte der geneigte Hörer dieses Phänomen bemerken. Jetzt hat er diese Fähigkeit auf die Spitze getrieben. QOTSA sind sozusagen im Mainstream angekommen. Und das möchte ich nicht schlecht verstanden wissen. Ganz einfach, weil sich seine Pop-Songs nie wie Pop-Songs anhören. Bei ihm kriegen sie immer etwas mehr mit. Pop-Songs with a twist! Für mich ihr bestes Werk bis anhin.
    Anspieltipps: The Vampyre Of Time And Memory, If I Had A Tail, Fairweather Friends.
  2. Jonathan Wilson: Fanfare
    Achtung, Räucherstäbchenalarm: Der kalifornische Neo-Hippie restauriert Folk und Psychedelia, als wäre 1969 nie vergangen. Zusammen mit befreundeten Gastmusikern wie den Westcoast-Grössen Crosby, Stills & Nash oder Jackson Browne schuf Jonathan Wilson ausufernde Lieder, in denen manchmal drei Songs versteckt sind. Üppige Gitarrensoli, Bläser und Streicher, Flöten und Orgeln schaffen Klangräume, die geradezu nach einer Cabriofahrt über amerikanische Highways schreien: Keep on ridin‘!
    Anspieltipps: Dear Friend, Love To Love, Fazon.
  3. Foals: Holy Fire
    Grosse Momente für grosse Bühnen! «Holy Fire» erschien zwar schon Ende 2012, wuchs aber erst im Laufe des Jahres zu seiner wahren Grösse heran. Das liegt weniger an den offensichtlichen Hits sondern an den so genannten Growern. «Late Night» gehört ohne Zweifel zu den meist gespielten Songs auf meinem iPhone.
    Anspieltipps: Inhaler, My Number, Late Night.
  4. Maya Jane Coles: Comfort
    Endlich, bin ich versucht zu sagen… obwohl bestimmt nicht der erste Versuch in dieser Richtung, gelingt der jungen britischen DJane der Spagat zwischen elektronischen Sounds und klassischen Song-Strukturen hier perfekt. Deep House, Trip-Hop, Wave und Pop flirten sanft miteinander und entfalten eine wunderbar hypnotische Wirkung. Der House der Zukunft?
    Anspieltipps: Easier To Hide, Burning Bright, Everything.
  5. David Bowie: The Next Day
    Überraschung! An seinem 66. Geburtstag verkündet David Bowie sein Comeback und liefert nach zehn Jahren Stille ein fulminantes neues Studialbum ab. Und lässt sich standesgemäss von heutigen Koryphäen wie James Murphy u.a. remixen. Wie schon das von «Heroes» abgekupferte Cover vermuten lässt, korrespondiert hier der alte mit dem neuen Bowie.
    Anspieltipps: The Next Day, The Stars (Are Out Tonight), Love Is Lost [Hello Steve Reich Mix by James Murphy for the DFA].
  6. Arcade Fire: Reflektor
    Gleich nochmals James Murphy: in diesem Fall hat er als Produzent fungiert, die kanadische Alternative-Band einer gründlichen Renovation unterzogen und – wie schon sein eigenes Projekt LCD Soundsystem – aus dem Indie-Keller erfolgreich unter die glitzernde Discokugel geführt. Und als grosser Bewunderer David Bowies liess er den Meister auf dem Titelstück auch noch gleich mitsingen.
    Anspieltipps: Reflektor, Joan Of Arc, Afterlife.
  7. Lorde: Pure Heroine
    Die Sensation schlechthin: die 17-jährige Neuseeländerin gilt zu Recht als DIE Newcomerin im 2013. Ihr «Royals» ging in Windeseile um die Welt und erhebt Anspruch auf den Song des Jahres (oder war da noch was mit glücklich werden?). Ein Versprechen für die Zukunft – ich bin sehr gespannt, was da noch folgen wird…
    Anspieltipps: Tennis Court, Royals, Team.
  8. Matthew E. White: Big Inner
    Noch so ein Grower: dieses kleine Wunderwerk ist mir im Laufe des Jahres so richtig ans Herz gewachsen. Die eigenwillige Stilmischung aus Seventies-Soul, Sunshine-Pop, Avantgarde-Jazz und Prog kann vieles, z.B. die (wärmende) Aufgabe einer Bettflasche im Handumdrehen erfüllen. Real music by real musiciens!
    Anspieltipps: Big Love, Will You Love Me, Brazos.
  9. Valerie June: Pushin‘ Against a Stone
    «Sie sieht aus wie ein Supermodel und singt wie eine 100-jährige Blues-Oma», hiess es in einer britischen Zeitung über Valerie June. Black-Keys-Mastermind Dan Auerbach entdeckte diese Singer-Songwriterin und produzierte deren Debut. Seither erobert die Dame aus Tennessee mit ihrer «Organic Moonshine Roots Music» den Globus. Verdient, wie mir scheint – an ihremBerner Konzert in der proppenvollen Turnhalle fühlten sich wohl so einige wie an einem lauen Sommer- und BBQ-Abend in den Südstaaten.
    Anspieltipps: Workin‘ Woman Blues, Pushin‘ Against A Stone, You Can’t Be Told.
  10. Pearl Jam: Lightning Bolt
    Der Blitz hat eingeschlagen! So poppig und eingängig hat man Pearl Jam zwar noch selten gehört. Und doch, unverkennbar… Im Gegensatz zu vielen Puristen, die jetzt Ausverkauf schreien, gefallen mir die neuen Songs und Einflüsse bestens. Wäre ja zu schön, diese  Weiterentwicklung im neuen Jahr auch live bewundern zu dürfen.
    Anspieltipps: Sirens, Lightning Bolt, Pendulum.

Aber hört und seht doch selbst:

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Ein Hurrikan namens NIИ zieht über Zürich.

© by NIИ

Das erste und bisher letzte Mal habe ich Nine Inch Nails (NIИ) anno 2007 auf der Performance-Tour beim Rock Oz’Arènes gesehen. NIИ präsentierten für damalige Zeiten revolutionäre visuelle Effekte und erschütterten das ehrwürdige Amphitheater von Avenches in seinen Grundfesten. Ich war dermassen beeindruckt, dass ich mir schwor, diese Band nie mehr live sehen und hören zu wollen (weil das grad Erlebte eh nicht zu toppen wäre).

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Jimi Hendrix in Montreux?

Jimi Hendrix in Montreux?

Oh yeah, diese Gitarre dürfte tatsächlich glühen am Montreux Jazz Festival, und zwar jeden Abend vom 13. bis 15. Juli 2013. Nach seinen viel bejubelten Gastspielen 2007 und 2009 wird Prince – und natürlich nicht Jimi Hendrix – dieses Jahr das Auditorium Stravinsky nämlich gleich 3 Mal zum Beben bringen.

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Die CDs des Jahres 2012.

Fast, aber nur fast wäre mein 2012 ein Schweizer Jahr in der Musik geworden. Nachdem aber Stephan Eichers «L’Envolée» im Vergleich zur grandiosen Single «Le Sourire» doch etwas abfiel und mich Züri West insbesondere mit der lahmen Live-Umsetzung von «Göteborg» nicht zu überzeugen vermochten, blieb als strahlende Siegerin einzig die wunderbare Sophie Hunger übrig.

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Bella Roma – Amor.

Seit Jahren sprachen wir davon, einmal nach Rom zu reisen. Jetzt endlich war es soweit: übers Neujahr gings mit SkyWork bequem ab Belp gen Süden, Alpenflug inbegriffen.

Wie wohl in keiner anderen Stadt lässt sich hier das Flanieren, Cappuccino trinken, Shoppen (Nuvolari als heisser Tipp für die Herren) und Sightseeing ideal verbinden. So nahmen wir denn die Villa Borghese, die spanische Treppe und den Trevi-Brunnen quasi im Vorbeigehen. Pantheon, Foro Romano und Collosseo bestaunten wir etwas ausführlicher. Und dem Vatikan würdigten wir gar einen halben Tag: der im Voraus gebuchte Rundgang erwies sich als absoluter Volltreffer. Die deutschsprachige Fremdenführerin schaffte es während dem Rundgang durch die Museen, die sixtinische Kappelle (wo wir nach deren kurzfristigen Schliessung für eine private Messe des Papstes schlussendlich als Erste eintreten durften) und den Petersdom spielend, Geschichte lebendig zu machen. So haben wir Religionsunterricht und Kunstgeschichte während der Schulzeit definitiv nie vermittelt erhalten. Welch eindrückliche Bauten, Bilder und Skulpturen!

Auch kulinarisch hat Rom erwartungsgemäss einiges zu bieten. Allerdings wird geraten, das Ristorante oder die Osteria seines Vertrauens sorgfältig zu wählen (der alte italienische Trick «möglichst versteckt und einfach eingerichtet» hat sich wieder einmal bewährt – aber selbstverständlich blieben auch wir nicht von der berühmt-berüchtigten Touristenfalle verschont: bei Fertig-Pizza für 30 Euronen verging uns definitiv der Appetit!): im historischen Zentrum wärmstens empfehlen können wir die Osteria del Pegno in einer kleinen Gasse zwischen Tiber und Piazza Navona, die Antica Enoteca in der Via delle Croce sowie mit Abstrichen (überteuertes, etwas lieblos präsentiertes Silvestermenü) die Osteria Romana di Simmi in einer Nebengasse hinter dem Campo dei Fiori. Ausgezeichnet getafelt haben wir auch im Aristocampo in Trastevere (nachdem das gesuchte Da Augusto geschlossen war, zog uns das folgende Schild an dessen Eingang an: «We are against war and tourist menu!») sowie im Caminetto und Chez Cocò, beide in Parioli gelegen.

Parioli? Genau, in diesem Viertel nördlich des historischen Viertels hinter der Villa Borghese haben wir logiert. Dank einem Internet-Schnäppchen konnten wir uns die Tower Lodge mit Terrasse in der Villa Duse leisten. Die (für Rom untypische) ruhige Lage, die tolle Aussicht auf die Feuerwerke an Silvester und die fantastischen morgendlichen Sonnenaufgänge haben uns für die etwas abgelegene Lage reichlich entschädigt.

Ach, man würde am liebsten gleich noch ein paar Tage anhängen… in diesem Sinne: Ci vediamo!

» FB-Album von Sibylle.

Troublemaker & Co. – neue Musik.

In diesen mit viel Musse gesegneten Tagen finde ich Zeit, wieder einmal ausgiebig nach neuer, spannender Musik zu forschen. Denn diese gibt es trotz dem unsäglichen Einheitsbrei, den man heutzutage in der Hitparade, am Radio generell und zum Teil leider auch an Festivals hören muss, nach wie vor. Deshalb möchte ich es nicht unterlassen, an dieser Stelle auf 3 Newcomer aufmerksam zu machen, denen ich eine grosse Zukunft vorhersage.

Da wären erstens Vintage Trouble aus Los Angeles. Der Name ist Programm: mit dynamischem Schlagzeug, atemlosen Gitarrenriffs und leidenschaftlichem R&B-Timbre des Sängers und Leaders Ty Taylor verzücken sie mit einer Mischung aus Freakbeat, Memphis Soul und British Blues Rock der 60er-Jahre. Ihre stark wachsende Fangemeinschaft nennt sich «Troublemaker», und reist ihren Lieblingen überall hinterher. Wer gerne Teil davon sein möchte, hat am 24. Juli anlässlich des Blue Balls Festival in Luzern (Late Night Show ab 23.00 Uhr im Schweizerhof!) oder am 7. August IMFLUSS zu Basel Gelegenheit dazu.

[youtube]http://youtu.be/6fbMmrDItSg[/youtube]

Zweitens ist da Twin Shadow: der leicht exaltierte, experimentelle Erneuerer und Erinnerer des hochromantischen Popsongs huldigt auf seinem Ende Juni erschienen zweiten Album «Confess» unverkennbar den 80er-Jahren, auch wenn er von denen gemäss eigener Aussage gar nicht so viel hält. Aber ich glaube ihm, wenn er sagt, dass sich seine Auftritte trotz Synthiefanfaren, dünnen Drumcomputer-Claps und den ewigen Funk-Gitarren ungeahnt energisch und raurockig präsentieren sollen.

[youtube]http://youtu.be/HiC9XNQSxFQ[/youtube]

Und drittens Jessie Ware. Die Engländerin veröffentlich Mitte August ihr erstes Album «Devotion» und gilt jetzt schon als die künftige Grande Dame des New UK Soul (oder die neue Sade?). Ihr Video zur ersten Single «Running» tropft auf jeden Fall nur so vor Eleganz.

[youtube]http://youtu.be/kvlFWmvgeVI[/youtube]

Über den grossen Aletschgletscher.

28 Jahre nach meiner eigenen Erstbegehung des Aletschgletschers wollte ich meiner bezaubernden Angetrauten die Faszination des ewigen Eises ebenfalls etwas näherbringen und sie meinerseits übers Glatteis führen. Mit den harten Kernen der legendären VIDEC Seleção, des Runden Leders sowie einigen zugewandten Orten fanden sich bald sympathische Mitstreiter für dieses Vorhaben.

Die beiden Bergführer des Belalp Alpin Centers hatten trotz der verregneten Woche bereits am Mittwoch grünes Licht für die anstehende Tour gegeben. Und siehe da, am Samstag Morgen präsentierte sich das Wetter tatsächlich von seiner besten Seite. So machte sich die 16-köpfige Seilschaft frühmorgens via Interlaken, Lauterbrunnen, Wengen und die Kleine Scheidegg auf den Weg aufs Jungfraujoch.

Von hier an gings abwärts, durch den Schnee ins Wallis und über den längsten Gletscher der Alpen im UNESCO Weltnaturerbe Richtung Konkordiaplatz und weiter bis zur berühmt-berüchtigten Aluminium-Treppe, die über 450 Stufen und 120 Meter Höhendifferenz hoch zur Konkordiahütte des SAC führt. Nach diesem spektakulären Aufstieg hatten wir uns ein kühles Blondes auf der sonnigen Terrasse verdient. Mit einem hüttentypischen Abendessen (Suppe und Riz Casimir) liessen wir den Abend anschliessend gemütlich ausklingen.

Am nächsten Morgen dann die unangenehme Überraschung: der Konkordiaplatz lag in tiefhängenden Wolken und Nebel verhüllt unter uns. Und kurz nach dem Abstieg auf den Gletscher über ein Geröllweglein begann es zu regnen. Nichtsdestotrotz wurden die Steigeisen montiert, und die Traversierung in Richtung Kranzberg-Moräne fortgesetzt. Zum Glück zeigte sich schon bald darauf die Sonne wieder, und wir wurden für die Erfrischung von oben durch einen prächtigen Regenbogen über dem Gletscher entschädigt.

Der erwähnten Moräne folgten wir bis auf die Höhe des Märjelensees. Den dortigen Ausstieg vom Gletscher empfand ich als visuellen Höhepunkt: hier türmen sich die Eismassen meterhoch. Dazwischen liegen Spalten, die bis zu 40 Meter in die Tiefe reichen. Das Gletschermeer leuchtet in türkisblauen Farben. Während sich dessen Rand eher wie eine Wüste vor einem ausbreitet. Wie in einer anderen Welt. Wunderschön. Faszinierend. Ein traumhaftes Erlebnis!